Opéra Bastide - Paris–Berlin Cabaret
Zwischen dem Berlin von Brecht und Weill und dem Paris von Piaf und Cocteau. Eine Kreation des Schauspielers und Regisseurs François Testory, die Gesang, Theater und eine intime Atmosphäre in der überdachten Markthalle von Villefranche (1888) miteinander verbindet.
Das Repertoire des inszenierten Konzerts Paris?Berlin ist um einen roten Faden herum aufgebaut: eine Auswahl der emblematischsten Cabaretnummern von Kander und Ebb. Diese Stücke treten in einen Dialog mit anderen deutschen und französischen - genauer gesagt Pariser und Berliner - Liedern aus der großen Kabaretttradition, die den beiden Hauptstädten einen ebenso glanzvollen wie skurrilen Ruf eingebracht hat.
Diese musikalische Reise erinnert - oder, wagen wir zu sagen, enthüllt - die junge Generation daran, dass lange bevor das Wort queer in den allgemeinen Sprachgebrauch einging, eine alternative, marginale und entschieden subversive Welt in den kulturellen Zwischenräumen der patriarchalischen, von starren Gesetzen und Normen geprägten Industriegesellschaften gedeihte. Eine Welt, die im Namen des Fortschritts und des Profits wohl oder übel toleriert wurde, damit man für einige Augenblicke ihre Freuden, Exzesse und gefährlichen Freiheiten auskosten konnte.
Das von drei Musikern und fünf Sängern getragene Stück dauert etwa 1 Stunde und 20 Minuten, unterbrochen von einer 30-minütigen Pause. Die Pause verlängert das Erlebnis um eine Bar, die vollständig in das Bühnengeschehen integriert ist, denn im Kabarett verlässt man die Bühne nie wirklich.
Das Bühnenbild, das von Einflüssen des Bauhauses, des Konstruktivismus und des Art déco geprägt ist, versetzt das Publikum mitten ins Geschehen: An Tischen, die an ein traditionelles Kabarett erinnern, wird der Zuschauer zum Zeugen - und Komplizen - dieser nächtlichen, trüben und herrlich transgressiven Atmosphäre.
Die Aufführung wird auf Französisch, Deutsch und Englisch gesungen und beschränkt sich nicht auf Werke der damaligen Zeit. Das Repertoire reicht bis hin zu zeitgenössischen Pop-Rock-Songs, die das Erbe dieses goldenen Zeitalters der Kabarettkunst beschwören oder für sich beanspruchen und unterstreichen, wie sehr diese Kämpfe, Sehnsüchte und Freiheitsdrang auch heute noch nachhallen.
Die klassische überdachte Halle bietet eine ebenso unerwartete wie elektrisierende Kulisse für diese halbszenische Version: ein roher Raum für eine Kunst, die nie ganz roh war. Eine Reise zwischen Rauch, Strass und Klarheit ? wo das Lied mit der Geschichte flirtet und wo der Vorhang nie ganz fällt.